Politischer Kindergarten

Geschrieben von kingalca am 26. August 2016
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Politischer Kindergarten

Den meisten Lesern würde ich empfehlen, zuerst folgenden Artikel zu lesen: BAZ.ch.

Heute möchte ich mal über etwas schreiben, dass mir schon sehr lange auf dem Herzen liegt, etwas, dass ich schon sehr lange beobachte.

 

Mit großer Sorge betrachte ich die Medien- und Politiklandschaft in Deutschland. Nächstes Jahr sind wieder Bundestagswahlen und ich befürchte, dass 20% für die AfD drin sind. Dafür gebe ich den deutschen Medien (hauptsächlich TAZ, FAZ, Spiegel Online und natürlich der BILD), den linksorientierten, politisch Neuinteressierten sowie den Alt- und Regierungsparteien die Schuld. Nachstehend erläutere ich meine Sorgen.

 

Die Umfragewerte der AfD sind so hoch, wie nie zu vor – und das wird auch kein Ende nehmen. Und mich wundert es auch nicht – wirklich nicht.

 

Bevor ich fortfahre möchte ich zu mir selbst etwas sagen. Vor allem auf Twitter schreibe ich in einem sehr kritischen Ton. Oft kritisch gegenüber linksorientierter Politik. Sehr oft kritisch gegenüber Flüchtlingen. Am häufigsten jedoch beschwere ich mich über Merkels Politik, bzw. die Politik der Regierungsparteien. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich mich als mündiger Bürger einfach verarscht fühle. Es wird eine Ohnmachtspolitik gefahren, die nicht nur den Flüchtlingen schaden wird, sondern auch den Menschen, die hier bereits leben, also dem Volk. Ich sehe mich selbst als Realist, wenn es ums Thema Politik geht, obwohl ich zugegebenermaßen kein Politiker bin und es vermutlich auch nie sein werde. Ich wünsche mir eine gewisse Gesetzeshärte, ein bisschen Patriotismus und eine Menge Offenheit und vor allem sehr viel Gleichberechtigung. Vor allem Patriotismus, gesunder Patriotismus, ist nichts, was in Verbindung mit Offenheit oder Gleichberechtigung nicht möglich ist. Den Deutschen fehlt es komplett an jedweder Identität, und das macht uns schwach und verletzbar. Das sind Fähigkeiten, die das stärkste und eigentlich mächtigste Land in der EU nicht wirklich braucht.  Fremdenhass lehne ich ab, genauso wie Masseneinwanderung (wem der Unterschied zwischen kontrollierter Einwanderung und unkontrollierter Masseneinwanderung nicht geläufig ist, der schliesst meinen Blog jetzt bitte wieder, ich brauche keine sparsam behirnten Leser). Einfach, weil es nicht realistisch ist. Das bedeutet aber nicht, dass ich es ablehne Menschen in Not zu helfen – hier bin ich auf jeden Fall auf der Seite der Leute, die sagen, dass Asyl ein Menschenrecht ist (was es halt nun mal auch ist).

 

Das Problem, dass ich habe, ist nicht, was Randgruppierungen wie die AfD finden und was nicht, sondern was die Linke und ganz besonders Ihre Anhänger und Fanatiker so von der AfD halten und wie mit Leuten umgegangen wird, die der Flüchtlingspolitik von Merkel kritisieren oder schlichtweg eine andere Meinung zu populistischen Themen haben (Burkaverbot, Obergrenze, Mindestlohn, Gender Studies, etc usw usf). Ich selbst habe das mehrfach erfahren. Auch am eigenen Leib, inklusive Doxxing-Mob.

 

Heutzutage kann man keinerlei Kritik mehr äußern, die im Worst-Case konservativ ist, ohne als AfD-Anhänger bezeichnet zu werden, oder noch schlimmer: als Nazi.

 

Davon mal abgesehen, dass es keine Nazis mehr gibt (im besten Fall sind es wenn überhaupt Neo-Nazis), da alle tot sind, ist es eine Schande für jeden linksorientierten Bürger, wenn man so sieht, wie man mit politisch andersdenken umgeht. Speziell in der Flüchtlingsdebatte, die uns unsere konservative Regierungspartei eingebrockt hat. Sowas sollte in einer pluralistischen Gesellschaft möglich sein. Ist es aber nicht.

 

Fallbeispiel „Obergrenze“. Ich habe mich oft mit Leuten unterhalten, die entweder meiner Meinung waren, oder eine konservativere Meinung hatten, oder eine liberalere Meinung hatten. Meiner Erfahrung nach kann man mit denen, die sich eher als Konservativ sehen, deutlich besser und sachlicher argumentieren, als mit solchen, die sich selbst als Links oder sogar Antifaschistisch bezeichnen. Deren Meinung ist die einzige, die in Ihrer Welt richtig ist; ihre Religion; Ihr Grundglaube. Da interessieren einen Fakten nicht mehr sonderlich, wenn man erst mal auf dieser Schiene ist.

 

Wir leben heute in einem Deutschland, in dem die große Mehrheit aus linksorientierten Menschen besteht, was ich grundsätzlich sehr befürworte. Das große Problem aber ist, dass die Mehrheit dieser Menschen absolut verweichlicht und nicht mal ansatzweise in der Lage ist, eine sachliche oder pluralistische Diskussion zu führen. Denn: alles, was nicht mindestens genauso extrem links eingestellt ist, wie einer selbst, muss zweifelsfrei ein rechtsextremer AfD-Wähler sein. Punkt.

 

Das ist ungefähr so schlüssig wie Mortlers Begründung zum Thema Cannabis: „Es ist verboten, weil es illegal ist. Punkt.“ – überhaupt nicht.

 

Ich nehme Menschen wahr, denen man Fakten auf den Tisch brettern kann und die einzige Reaktion ist das herunterbeten von Buzzwords, hauptsache man lebt den Whataboutism bis zur letzten Sekunde des Diskurses.

 

Da hat man als reflektierender Mensch direkt gar keinen Bock drauf. Es führt auch zu nichts.

 

Und ich gebe genau diesen Leuten eine Mitschuld an dem Erfolg der AfD – einer Partei,  die den Klimawandel leugnet. Jeder intelligente Mensch muss so etwas doch erkennen!

 

Die AfD trägt das Wort „Alternative“ im Namen. Alternativ war die AfD anfangs durchaus, als man hat hoffen können, dass es eine volksnahe Partei wird (was in meinen Augen absolut legitim ist, da sowas einfach ins konservative Spektrum fällt, wo sich die Lieblingspartei der Bayern ja auch befindet). Dass das nichts geworden ist, wurde relativ schnell klar und so verließ der Gründer der Partei, Bernd Luke, seine eigene neue Partei recht zügig wieder und gründete die ALFA-Partei, die ja nun auch für eben dies steht – Volksnähe (Hinweis: ich hab mich nicht ausreichend mit der ALFA auseinander gesetzt um sagen zu können, wo ich sie einordne – macht euch euer eigenes Bild davon). Funfact: bei der ALFA Partei hat man es geschafft, der hat man überhaupt keine Bühne geboten und so wird sie nächstes Jahr auch sicherlich keine 5% erlangen.

 

Doch heute ist die AfD eine Partei, die mit hoher Wahrscheinlichkeit nächstes Jahr in den Bundestag einziehen wird. Somit stellt die AfD die einzige Alternative zu allen anderen Parteien dar, und das wurde möglich gemacht durch die Naivität und „Miesmachen“ eben jener Partei durch Politiker und oben genannte und definierte linksorientierte Personengruppen. Anders hätte die AfD meiner Meinung nach niemals so viel mediale Aufmerksamkeit erhalten können – natürlich tragen da große Blätter auch Ihren Teil dazu bei.

 

Ich habe mir mal einen Parteitag der AfD in Stuttgart auf YouTube angesehen. Ich mache das mit allen Parteien, über die ich mir eine Meinung bilden will. Nicht, weil ich sie gut finde, sondern weil man deutschen Medien nicht trauen kann. Da komme ich aber auch gleich noch drauf zu sprechen. Stichwort Lügenpresse. Wer sich in Deutschland korrekt eine Meinung bilden möchte, der muss selbst recherchieren. Auf Zeitungen ist kein Verlass.

 

Frauke Petry ist eine – zugegebenermaßen – hervorragende Rhetorikerin, die sich ihres Auftrittes sehr gut bewusst ist. Das ist eine Fähigkeit, die man als Politiker haben muss und soll. Die meisten medial wirksamen Politiker haben diese Fähigkeit. Sie hat studiert, also kann man Ihr auch nicht wirklich Dummheit vorwerfen. Sie ist die Koryphäe einer Partei, die mittlerweile doch mehr an die NPD angelehnt ist, als die CSU an die CDU (oder die SPD an CDU J). Sie vertritt Ihren Standpunkt. Sie leugnet den menschgemachten Klimawandel. Sie verlangt nach Obergrenzen – alles Dinge, die die AfD fordert, oder so in ihrem Parteiprogramm stehen.

 

Man hätte von Anfang an der AfD auf einem Level begegnen müssen. Man hätte erkennen müssen, dass die Menschen mit der Politik nicht zufrieden sind. Man hätte es sich sparen müssen, den Deutschen medial zu verkaufen, dass Deutschland ausschließlich aus Bahnhofsklatschern besteht. Man hätte erkennen müssen, dass man entweder jetzt sofort reagiert, oder die AfD für immer mit offenen Armen im Bundestag empfangen muss. Man hätte erkennen müssen, dass die AfD zur Gefahr für die Freiheit werden kann – aber Chapeau, die CxU ist auch eine Gefahr für die Freiheit und wird ja trotzdem immer wieder gewählt. Eine Schande ist das.

 

Man hätte der AfD professionell begegnen müssen. Man hätte Ihre Punkte nach und nach in der Luft zerfetzen können, oder sogar Reflektion durch das Parteiprogramm betreiben können. Regierungsparteien hätten sehen müssen, dass die Art und Weise, wie sie die Flüchtlingspolitik betreiben ausschließlich einen Gewinner hervorruft: die AfD. Das, gepaart mit der unbändigen Sturheit und dem Hass der linksextremen heranwachsenden Generation und der Regierungshörigkeit deutscher Medien, ist – wie bereits erwähnt – der Grund für den Aufschwung der AfD. Ohne diese drei Faktoren, wäre die AfD das geblieben, was Sie von Anfang an war: eine Randerscheinung.

 

Für mich bedeutet das: 10 Schritte zurück. Ich will nicht in einem Land leben, in dem Elitenförderung  und kategorischer Ausländerhass ganz vorne auf der Tagesordnung steht. Ich wünsche mir eine Politik, einen Bundestag, geführt von Gregor Gysi, der heutigen Sarah Wagenknecht, einem hervorragendem Cem Özdemir und einigen Sozialdemokraten, die das Land wieder zu dem machen, was es ist: einen Sozialstaat.

 

Doch davon sind wir momentan meilenweit entfernt. Die Überwachung aller (deutschen) Bürger nimmt zu. Die Bürger werden von Jahr zu Jahr ärmer und gläserner (auch jene, die in den kommenden Jahren Deutsche sein werden). Die Medien berichtet unentwegt einseitig. Lynchmobs und Denunzierungen werden gefeiert, von eben jenen Leuten, die zuvor noch mit #NoHateSpeech auf Twitter rumgeworfen haben.  Andersdenkende jedweder politischen Gesinnung werden mit Mördern und Verbrechern verglichen. Kritik wird als Hass deklariert und jede Minderheit wird nicht Müde nach Toleranz zu rufen, die sie im gegenzug aber niemandem geben will. Das ist das Ergebnis der Wegwerf- und Ellenbogengesellschaft, die wir in Jahrelanger Arbeit geschaffen haben.

 

Ich habe vorhin schon mal erwähnt, dass ich von den Medien enttäuscht bin. Ich gestehe dem Wort „Lügenpresse“ auch eine starke Legitimität zu, denn deutsche Medien sind nicht wirklich objektive Zeitungen, sondern politische Machtinstrumente, und als solche werden Sie auch massiv genutzt. Das dumme Wahlvieh hinterfragt nichts mehr, sobald es auf SPON steht, muss es stimmen. Imperative werden genutzt, wo es nur geht, und was früher mal 1-2% waren, sind heute knapp 50% und aufwärts, was Kolumnen und Kommentare angeht, denen es ja jeglicher Objektivität fehlen darf.

 

Der Deutsche Bürger wurde erfolgreich zum Idioten umerzogen. Die FAZ verbreitet Lügen um politischen Hass zu Schüren, Spiegel Online betreibt eine extreme Meinungsmache und von der BILD fange ich gar nicht erst an. Damit wird nichts erreicht, garantiert keine Ablehnung gegen rechts, sondern nur ein Hass gegen links – zumindest bei politisch interessierten Bürgern. Wobei, es gibt ja genug Idioten, denen „Steht im Internet“ als unumstößliches Argument reicht.

 

Dies ist doch das letzte, was man erreichen will, wenn man mit allen Mitteln vermeiden möchte, dass eine rechtsorientierte Partei nicht in den Bundestag einziehen soll.

 

Ich bin enttäuscht, von allen diesen drei oben erwähnten Gruppen. Hardliner, Politiker und Journalisten.

 

Ich wünsche mir in der Zukunft eine zukunftsorientiertere Gesellschaft, die sich weniger Gedanken um Hetzkampagnen macht (privat sowie medial), sondern mehr an Morgen denkt – mit egal wie vielen Flüchtlingen. Ich wünsche mir eine Medienlandschaft, in der der Leser dazu angeregt wird selbst nachzudenken, zu reflektieren und zu hinterfragen. Ich wünsche mir Politiker, die das Wort Populismus nicht kennen. Ich wünsche mir weniger Kapitalismus in den Medien. Ich wünsche mir mehr Vernunft in den Köpfen aller Menschen.

 

Leider werden meine Wünsche nicht erfüllt werden. Menschen sind dumm. Sie waren es immer, sie werden es immer bleiben.

 

Deutschland, du hast aus deiner Vergangenheit nichts gelernt – sonst würdest du dich jetzt nicht so benehmen. 70 Jahre aufarbeiten waren umsonst – du hast es nicht verstanden, dass es immer nur zum Absturz führt, wenn man dem lautesten Idioten die meiste Anerkennung schenkt.