Momente im Leben.

Geschrieben von kingalca am 3. Januar 2012
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Momente im Leben.

Jeder kennt diese, kleinen, eigentlich unbedeutenden Momente, im Leben. Sie werden festgehalten auf Bildern und wenn man sich diese Bilder nach einiger Zeit vorstellt erscheint alles plötzlich so wie das Intro von „How I met your mother“. Und am Ende, wenn man genau an diesem Punkt ankam, wird man eigentlich auch erst merken, dass die Redewendung „Es summiert sich“ doch einen gar nicht mal so geringen Sinn hat.

Wenn man bedenkt, dass das Leben eigentlich so vergänglich ist, dass das ganze auch prinzipiell morgen vorbei sein könnte, dann, aber auch wirklich erst dann, kann man förmlich spüren, wie die ganze Last die man so all die Monate und Tage mit sich rumtrug, von einem abfällt.

Irgendwie ist das Leben ironisch und nur wenn man so unglaublich viel Humor hat, kommt man ungeschadet hindurch.

Ernsthaft, mir persönlich ist schon so viel unglaublicher Mist passiert, ich hatte Phasen, in denen ich am Boden war, mental, und trotzdem, wenn ich so zurückblicke, bin ich dennoch froh jeden Schritt, den ich tat, getan zu haben. Ich hatte schon eine unzählbare Anzahl von den verschiedensten Gefühlen in mir. Angefangen von Angst bishin zu Wut, Trauer, Hass, Liebe.

„Er ist tot.“ sagte er mir. Das war der letzte Moment, in dem ich fühlte, wie ein großes Stück meines Herzens, was ich oftmals, vermutlich mit recht, als Stein bezeichne, abbrach. Ich schrieb ihm, meinem Vater, 5 Stunden später darauf hin eine SMS, ich las sie heute und kann eigentlich gar nicht fassen, dass ich diese auch wirklich geschrieben habe. „Es ist alles so unfair. Ich bin so unglaublich traurig.“

Es gibt Seiten, die kenne ich an mir nicht wirklich. Diese gehörte unter anderem auch dazu. Aber, wie alles im Leben, gibt es auch die andere Seite. Momente, in denen ich mich gut dabei fühle, einer Person zu sagen, dass sie „alles“ für mich sei. Auch wenn sie es womöglich nicht verstehen können.

Wie zum Beispiel mein Bruder. Es gibt für mich auf der Welt keinen Menschen, für den ich alles, außnahmslos, Opfern würde, außer für Ihn. Ich war die meiste Zeit meines Lebens, 13 Jahre lang, Einzelkind und, für die meisten Einzelkinder mag es wohl nicht so sein, ich freute mich. „Du wirst Bruder“, sagte Sie. Damals, beim Abendessen, in unserer alten Wohnung.

Ich kann mich an diesen Moment, vermutlich weil er so überaus positiv war, noch so gut erinnern, als wäre er gestern gewesen. Die Wände waren orange gestrichen. Es gab Schinkennudeln, eines meiner Lieblingsgerichte. Die Stühle waren mit einem weißen Stoff überzogen, ich hockte neben meiner Mutter, sie saß gegenüber von meinem Stiefvater, den ich aus unerklärlichen Gründen überhaupt nicht leiden kann und konnte. Im Fernseher lief meine damalige Lieblingsserie, Dragon Ball Z.

Kennt nicht jeder diese kleinen Momente im Leben. Momente, in denen das Herz stehen bleibt. Aus Freude. Aus Angst. Aus Ungewissheit?
Diese Momente, in denen man an absolut nichts anderes denkt – in denen sich das komplette Dasein auf diesen Moment fokusiert. „Was soll das?“ „Wie geht es jetzt weiter?“. Das, und viele andere Fragen, die einem plötzlich, von dem einen zum anderen Moment in den Sinn kommen.

Ironisch, dass es immer solche Momente braucht, um uns zu zeigen, wer wir wirklich sind. Oder wer wir sein können. Welche Fasetten der eigene Charakter doch so birgt. Momente, in denen man von sich selbst überrascht und überwältigt ist.

Eigentlich sollte man sie schätzen. So wie alles andere auch.

Eben, diese kleinen Momente im Leben.