Meine Bewerbung als Projektmanager bei O2 in München

Geschrieben von kingalca am 12. Juli 2013
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Meine Bewerbung als Projektmanager bei O2 in München

Als ständiger Querulant und eloquenter Versager auf voller Linie könnte ich mir gut vorstellen, bei o2 arbeiten zu können. Überlegen wir uns doch mal, was es alles dafür braucht um dort erfolgreich sein zu können. Aufgrund der Ausbaustufe des Netzes, Service und und und stelle ich mir eine Vakanz bei o2 folgendermaßen vor:

Morgens, arbeitsbegin um 9, vielleicht auch halb 10. Als erstes trinkt man mit den Kollegen Kaffee, Gleitcreme liegt im ganzen Büro verteilt, weil man den Vorgesetzten ständig in den Arsch kriechen muss, um die nächste Zigarettenpause genehmigt zu bekommen. Die erste wirkliche Amtshandlung am Tag entsteht dann so gegen halb 12, wenn man dann den PC erst mal hochfährt. In der kompletten Zwischenzeit spielt man am iPhone rum und feiert sich selbst, weil das Telekomnetz im o2-Tower in München so grandios ist. Außerdem lästert man ein wenig über die Support-Mitarbeiter und schaut den heißen Sekretärinnen auf den Arsch, die vermutlich auch Below-the-Desk-Jobs machen.

12:50 – der Chef ruft an. „MÜLLER!“, tönt es aus dem Telefon – würde man dort arbeiten und ‚Müller‘ heißen. „Kommen Sie sofort in mein Büro. Wir müssen uns was neues wegen dem Netzausbau ausdenken.“ „Ok, Chef, bin gleich da.“

Der Weg ins Büro vom Chef ist auch immer lustig, vorbei an der Marketingabteilung, wo es grundsätzlich nach Marihuana riecht. Außerdem kann man überall Kokain sehen. Vielleicht sind es aber auch alle begnatete Pizzabäcker und das ist einfach nur Mehl.

Ab in den Aufzug. Der pompöse Lastenaufzug für 25 Personen â 90KG oder ein mal deine Mutter ist mit Spiegeln ausgekleidet, sodass man noch seine Firsur richten kann. Noch schnell eine Fluppe gedreht, lässig hinters Ohr gesteckt und den Leinenanzug von H&M glatt streichen. Die Tür geht auf. Man schreitet in das Büro des Chefs in der 18ten Etage.

„Müller! Mir ist heute was passiert. Ich bin wie immer mit meinem viel zu teuren Auto in die Arbeit gefahren und als ich am Bahnhof vorbei gefahren bin…“

„Ja Chef?“

„… Raten Sie!“

„Keine Ahnung, haben Sie einen ePlus-verkaufssstand gesehen?“

„Nein. So ähnlich. Ich fuhr also wie gesagt am Bahnhof vorbei“ – an dieser Stelle muss man für alle Nicht-Münchner erklären, dass der o2-Tower relativ „nah“ am Hauptbahnhof steht – „und dann rief mich wer an.“

„Oh. Mein. Gott.“

„Es ist furchtbar, nicht?“

„Und wie. Wir müssen sofort dagegen etwas unternehmen. Empfang an einem deutschen Bahnhof – dieser Politik haben wir doch vor 2 Monaten abgesagt! Die Umsatzeinbrüche zeigen doch ganz klar, dass die verringerte Belastung durch Bahnhofsgäste unser Netz in Hinterdupfing und Ganzweitweg erheblich verbessern. Die 20 Einwohner beider Kuhdörfer haben uns hoch gelobt für diese drastische Maßnahme!“

„GENAU MÜLLER UND TROTZDEM HATTE ICH MEHR ALS 2 STRICHE AUF DEM iPHONE, SOWAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN!“

„Ich habe eine Idee, wie wir unseren Kunden auf einer anderen Art und Weiße auf den Sack gehen können.“

„Wissen Sie Müller, Ihre Ideen waren immer klasse – nur raus damit.“

„Wir könnten uns ja von der Telekom eine Strategie abschauen.“

„Von der.. Telekom?“

„Oh ja. Die Drosseln Ihre Kunden, wenn Sie mehr als 1GB Traffic im Monat verbraucht haben auf unter 1% der verfügbaren Geschwindigkeit.“

„Das ist das teuflichste und unnormalste, was ich jemals gehört oder gesehen habe.“

„Gucken Sie denn gar kein Game of Thrones?“ (Anmerkung: ich bin immer noch traumatisiert nach E03S09 :()

„Was?“ „Nicht so wichtig.“

„Müller, ich mach jetzt mal n Mittagsschläfchen und denke über Ihren tollen Vorschlag nach.“

„Gern. Was ist eigentlich mit der Marketingkampagne geworden, in der wir den Waschbären als Versuchskaninchen für synthetische Drogen genutzt haben?“

„Voll eingeschlagen – die Kunden finden den super.“

„Ich hät gern auch was von dem LSD bekommen.“ „Ich auch.“ „Tschüss Chef!“ „Tschüss, Müller.“

Nun ist es fast 13:30 und man kann Mittag machen. Als ambitionierter Münchner holt man sich beim nächstbesten Supermarkt ein Bierchen oder zwei oder zwanzig. Die trinkt man gemütlich, während man die vorher gedrehte Zigarette gemütlich wegatmet. Nach der Mittagspause, die man auch mal eine halbe Stunde überziehen kann, checkt man dann die Mails. Das läuft eigentlich folgendermaßen ab:

„Wichtige Mitarbeiterinformation“ – löschen. „Änderungen der AGB bei o2“ – löschen. „Buy cheap Gucci Bags“ – löschen. „RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: AW: RE: Gain 4 inches penis length in 2 days“ – antworten. Dann noch schnell das Social Media Team zusammenscheißen, wieso sie so sackfreundlich sind und schon ist Feierabend.

Ich könnte mir eine Stelle bei o2 gut vorstellen, weil ich auch einen Leinenanzug von H&M habe und Zigaretten drehen kann. Außerdem bin ich total faul und eingebildet.

Wenn Ihr das lest, o2 – bitte engangiert mich. Mit meiner Hilfe wird euer Netz NOCH SCHLECHTER und das ist ja offenbar euer Ziel. PS: Social Media kann ich auch!

Cheers, euer Alca