Google hat alle meine Daten – was denn genau?

Geschrieben von kingalca am 18. September 2013
Dieser Post ist über ein Jahr alt. Eventuell haben sich die Details mittlerweile geändert, oder Links sind nicht mehr verfügbar.

Google hat alle meine Daten – was denn genau?

Immer wieder hört man, dass Google diese ultrakrasse Datensammelmaschine ist – und das ist ja auch so. Aber wieso. Wenn man sagt: „Wenn du Android benutzt hat Google alle deine Daten“. Was sind denn eigentlich „alle Daten“? Denn „alle“ Daten bekommt Google erst durch das Nutzen weiterer Services, nur weiß das kaum einer offenbar so genau.

Aber fangen wir einfach mal an.

Wer Google als Suchmaschine nutzt, der gibt schon viel Preis.

Wieso? Nun ja, das ist eigentlich ganz einfach.

Das Ganze funktioniert eigentlich so:

Ein niegelnagelneuer Computerbenutzer surft das erste mal auf Google um etwas zu suchen – beispielsweiße „Firefox download“ – ist zumindest bei mir immer das erste, was ich auf einer neuen Windows-Installation mache: den Internet Explorer ausbooten.

Wenn ich das mache setzt Google in meinem Browser, dem Internet Explorer ein Cookie. Dieses Cookie importiere ich, nachdem ich Firefox installiert habe, über die Migrationsschnittstelle, die automatisch ausgeführt wird und so oder so nichts daran ändert, dass ich spätestens 2 Minuten später das nächste Cookie von Google bekommen würde, wenn ich nämlich die Firefox Startseite öffne, auf der eine Googlesuchform einbegriffen ist.

Ohne mich irgendwo einzuloggen, weiß Google nun, dass ich neulich nach einem neuen Browser gesucht habe. Aufgrund dieser Information wird mir Google dann recht rasch Werbung zum Thema Internet, Operating Systems, generell Computer und anderen Otto-Normal-Verbraucher relevanten Daten anzeigen. Warum auch nicht. Könnte mich ja interessieren.

Irgendwann gehe ich auf YouTube, das gehört auch zu Google. Dort suche ich dann nach meinem Lieblingskünstler. Ist mir doch egal, ob Google weiß, was für Musik ich gerne mag. Denkt man. YouTube erkennt, dass ich schon mal Google besucht habe. Vielleicht logge ich mich auch noch in meinen Account ein, den ich bei Google, Google+ und Gmail habe.

Sobald das passiert wird’s jetzt aber kritisch: die Daten sind plötzlich Personenbezogen. Google weiß jetzt, dass ich einen neuen PC habe. Alle Daten, die zuvor schon in dem Account standen können jetzt mit mir in Verbindung gebracht werden.

Google weiß nun, wie mein Surfverhalten ist, was ich für Themen suche, was meine Interessen sind, welche Musikrichtung ich höre und was ich in meinen Mails schreibe. Da ich mehrere Webseiten betreibe nutzte ich eine Zeitlang Google Adsense, um festzuhalten, wer wann wie und wo meine Webseite besucht – ein schönes Tool. Da ich das gemacht habe, kann Google auch eine Verbindung zwischen meinen „anonymeren“ Projekten und mir herstellen, was ich mal besser hätte sein gelassen, wenn ich ehrlich bin.

Nun fassen wir mal zusammen. Was weiß Google bis zu diesem Zeitpunkt alles über mich?

–          Suchverhalten

–          Suchbegriffe

–          Wann bin ich Online

–          Was höre ich für Musik

–          Was schreibe ich in meinen Mails

–          Wie lauten alle meine Webseiten (interne Verlinkung auf den Seiten möglicher Gesichtspunkt)

–          Wer besucht meine Webseite

–          Worüber schreibe ich auf meine Webseite?

  • Passt das auf der Webseite zu meinem Suchverhalten oder eher nicht?

–          Wie ich vorgebe zu heißen

–          Wie mein Kaufverhalten ist (auf Basis der Suchbegriffe schätzbar -> Volkswirtschaft)

Und das nur, weil ich 3 Dienste nutze.

Nun nutze ich und ganz viele andere Menschen auf der Welt aber noch andere Tools.

Zum Beispiel „News“. Nun weiß Google, was mich interessiert. Im Grunde genommen kann Google über mich bis zu diesem Zeitpunkt schon ein Buch schreiben.

Wer Picasa Web Album benutzt sorgt sogar noch dafür, dass Google weiß wie man aussieht – aber das ist eh egal, denn Facebook gibt’s ja auch noch, auch wenn das Google nicht gehört (sondern Google+ und auch das haben genug Leute).

In Picasa hat man dann eventuell die Gesichtserkennung noch beansprucht, also kann Google dich nach kürzester Zeit auf irgendeinem Bild irgendeiner offenen Netzwerk-Kamera erkennen.

Jetzt weiß Google immer mehr über dich, denn nun können auch Offline Daten über dich gesammelt werden, bzw. ohne dass du was dafür tust.

Schon mal mit Gmail eine Mail geschrieben? Folgende Situation ist sehr realistisch und kann davon abgesehen auch einfach nachgestellt werden:

Du schreibst eine Email an deinen Kollegen, dass du mit deiner Freundin bald in den Urlaub fliegst, genauer gesagt nach Teneriffa oder so was. Außerdem hast du dir noch schnell ein neues Mac Book gekauft, weil der Bonus der Firma ankam.

Keine 20 Minuten später wirst du feststellen, dass Google dir plötzlich Werbung über Urlaub in Teneriffa zeigt. Oder Appleprodukte in AdSense-Anzeigen. Oder Arbeitsunfähigkeitsversicherungen. Oder irgendwas, was irgendwas damit zu tun hat.

Wer AdSense anbietet begeht sogar noch einen Fehler (ich weiß, ich nutze es ja selber): du gibst Google deine vollständige Adresse und Bankdaten.

Dein Profil wird immer genauer und genauer. Nun hast du vielleicht auch noch ein Android Gerät, dass natürlich mit deinem Googlekonto synchronisiert ist.

Dadurch bekommt Google sehr ausführliche Reports über dein soziales Umfeld, wie oft du mit jemandem schreibst und kann so ohne Probleme soziale Verbindungen herstellen. Bilder, die hin und her gesendet werden können auch direkt mit dir in Verbindung gebracht werden. Algorithmen errechnen einfach, ob deine Nachricht positiv oder negativ ist oder ob eventuell gelästert wird. Namen, Daten, Treffpunkte – aber das ist nur ein marginaler Teil. Wichtiger ist hier doch das Bewegungsprofil, das von mehreren Instanzen direkt abgegriffen wird: deinem ISP, Google und Letzen Endes auch die NSA (wer hätte das gedacht) und mit Ihnen alle anderen deiner Daten – dazu wird Google gezwungen.

Also, wenn du jemals etwas kriminelles machen willst, wie zum Beispiel illegal einen Song runterladen möchtest, dann kannst du dir sicher sein, dass Google das hätte voraussagen können, einfach nur auf Basis der bereits vorhandenen Daten.

Wenn du Google Chrome benutzt machst du es dem Sammler noch einfacher. Jede Suchanfrage – AUCH DIE, DIE DU GAR NICHT ABSENDEST – werden an Google gesendet. Warum sonst wird dir wohl bei dem gewünschten Suchbegriff „süße Katzenbabys“ schon bei „süße Ka“ im Eingabefenster das gewünschte Ergebnis angezeigt?

Jede Suchanfrage geht direkt an Google. Verweildauer, Zugriffsraten, Häufigkeit, SSL oder nicht? Hast du da einen Account? Oder Zwei? Google kennt sogar deine Fake Accounts. Alle!

Und selbst jetzt weißt du noch nicht mal, was „alle“ deine Daten sind, denn du hast schon längst den Überblick darüber verloren.

 

Und das war die Geschichte, wie Google die ganze Welt ohne auch nur einen Murks zu machen ausspioniert. 🙂