Einer der wichtigsten Tage im beschissensten Abschnitt meines Lebens.

Geschrieben von kingalca am 8. Oktober 2013
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Einer der wichtigsten Tage im beschissensten Abschnitt meines Lebens.

Es war irgendwann im späten Oktober, vielleicht auch schon Mitte November. Es war ziemlich kalt, an den Tagen davor, und an den Tagen danach sollte es noch viel kälter werden. Es ist quasi die Eiszeit angebrochen. Zumindest dachte ich das. Damals, 2009 in Österreich. Ich machte dort meine Ausbildung und war seit nun mehr als 2 Monaten quasi Obdachlos, ich habe damals in einer Jugendherberge gewohnt, von der ich jeden Tag in die Arbeit und zurück gefahren bin. Das war es. Ich habe 2 Monate lang nichts anderes getan, als zu arbeiten. In meinem Gepäck waren ein altes Samsung-Schiebe Handy, eines von den Walkman-Teilen, ein Buch „Rolltreppe abwärts“ und Kopfhörer – sonst nichts.

An dem besagten Tag rief mich ein Vermieter an, bei dem ich wegen einer Wohnung nachfragen wollte. Er meinte, wenn ich Lust habe könne ich mir die WG mal ansehen, und das Zimmer, dass es zu vermieten galt.

Ich war einigermaßen erfreut darüber, wenn ich auch nach wie vor noch gar nicht genau wusste, wie mir diese Stadt und die Leute dort überhaupt gefallen sollten, und dann soll ich zu allem überfluss auch noch in eine WG ziehen. Ich lies mich nicht davon überrumpeln und sah mir das Zimmer an. Sehr klein. Heruntergekommen. Gebraucht. Aber eine Sauna hatten wir. Der Boden war aus geleimten Holzstücken einigermaßen Flach, aber nicht eben. Teilweise löste sich das Holz bereits vom Boden und stand hervor.

Genommen habe ich das Zimmer dennoch und während meines Aufenthaltes dort hatte ich insgesamt 5 Mitbewohner. Nicht gleichzeitig, nacheinander. Ich und noch 2 – mehr passten nicht in die Wohnung.

Ich fühlte mich dort nicht daheim. Allgemein, ich fühlte mich in dieser Ortschaft nicht daheim. Ich kannte hier niemanden. Ich hatte keine Freunde dort, keine Familie. Das ging tatsächlich auch noch einige Zeit so weiter, bis ich dann irgendwann eines Abends mit dem Sohn meiner damaligen Chefin etwas trinken war. Ich hatte damals gerade erst mit dem Rauchen angefangen, ich weiß bis heute nicht genau wieso. Ablenkung vielleicht, oder eine Art Selbstfindungsphase. Ich hatte ja niemanden, der mich hätte manipulieren können. Fakt ist, dass ich einen bis heute guten Freund nur kennen gelernt habe, weil er mich nach einer „Tschick“ gefragt hatte. Ich hab zuerst nur „Chick“ verstanden, was wirklich arg komisch war.

Wir rauchten zusammen zwei, drei Zigaretten und er stellte mir seine beste Freundin vor, die zugegeben ziemlich heiß war. Sie hatte sehr extreme typisch-osteuropäische Gesichtszüge, aber Sie war durch und durch Österreicherin.

Wenn ich heute an den einen Abend denke erinnere ich mich wieder an das Gefühl, dass da damals war. Ich kann es nicht beschreiben, aber seit diesem Abend fühlte ich mich ein klein wenig geborgener, in einer Welt die zuvor nur aus Schall und Rauch bestand.