Ehe für alle? Oder nur Ehe für manche?

Geschrieben von kingalca am 13. Juni 2017

Ehe für alle? Oder nur Ehe für manche?

Servus,

ich hab gestern einen etwas plakativeren Tweet geschrieben, nämlich, dass der einzige Grund, der gegen die Ehe für Alle spricht der Fakt ist, dass homosexuelle Paare keine Kinder zeugen können und man argumentieren kann, dass eine Familie (die oft aus einer Ehe resultiert) erst entstünde, wenn eben die Zeugung des Kindes stattgefunden hat.

Jetzt ist es ja so, dass auf Twitter nur 140 Zeichen zur Verfügung stehen – viel zu wenig um jeden Aspekt diesbezüglich zu beleuchten. Ich habe da neulich einfach drüber nachgedacht und mich gefragt, wieso es denn nach wie vor nicht möglich ist, und die Antwort liegt ziemlich klar auf der Hand.

Grundsätzlich war die Ehe eine Institution für das klassische Rollenbild, nämlich Mann und Frau. Jetzt leben wir heute aber in einer Zeit, in der es kaum eine Notwendigkeit nach gleichgeschlechtlichen Institutionen wie der Ehe gibt, denn erstens gibt es eh viel zu viele Menschen und zweitens halte ich eh nichts von Repression.

Gleichgeschlechtliche Ehen sollten meiner Meinung nach genauso möglich sein, wie heterosexuelle Ehen. Aber es gibt einen (einzigen, legitimen und guten) Grund, wieso das bisher nicht so ist: die Geburtenrate. Die Ehe stellt vor allem für konservative Politiker das einzige belohnende Bündnis dar, in dem Kinder gezeugt werden. Eine Adoption erhöht diese Rate nicht, deshalb ist das Argument „man könne ja ein Kind adoptieren“ nicht ganz haltbar. Ich hatte auf Twitter eine ganz gute Diskussion mit einem Follower und er sagte dann: „man braucht kein belohnendes System, sondern eine Welt, in der Eltern gerne Kinder in die Welt setzen“. Und das ist so absolut korrekt, weit besser als ein belohnendes System.

Es dreht sich letzten Endes immer nur um die Geburtenrate und wenn man manchen Herren von der CSU/CDU glauben mag, dann sind wir ja noch ach so Christlich und da darf das dann natürlich nicht sein, dass zwei Frauen oder zwei Männer sich lieben. Wie rückständig. Indes finden 79% aller Katholiken und knapp 80% aller Protestanten, dass gleichgeschlechtliche Ehen okay sind. Bisschen schlimmer sieht es bei Muslimen aus, da lag die Ratio bei 58%. Bei Atheisten bzw. Agnostikern lag die Zustimmungsrate bei über 90%. Das Argument, die Bevölkerung sei dafür nicht ausgelegt, weil christliche Werte und so, ist also auch Bullshit. Im allgemeinen zählt „my feelings are hurt“ einfach nicht als Argument. Liebe kennt, denke ich, kein Geschlecht, würde es das doch tun würden Jungs ihre Väter nicht lieben und Mütter hätten keinen Bezug zu Ihrer Tochter. „Aber das sind ja die Kinder, die liebt man immer“ – es sind auch werdende Männer und Frauen.

Leider ändert meine Ansicht nichts an der Tatsache, dass die Deutschen dabei sind auszusterben. Eine Frau in Deutschland müsste 2 Kinder bekommen, damit wir langfristig nicht ausradiert werden und ganz ehrlich: ich möchte, dass meine Familie noch weitere 600 Jahre besteht, so wie sie es bisher tat. Nur ein Idiot lässt sein eigenes Volk aussterben.

 

 

Und unter Rücksicht dieser Tatsache betrachten wir jetzt mal die Familienpolitik in Deutschland und die sozialen Strukturen. Immer mehr Frauen wollen oder müssen Karriere machen, von politischer Seite gibt es auch kaum einen Anreiz den Job einer Hausfrau anzunehmen – die SJWs unter meinen Lesern (ich hoffe, ich habe keine…) mögen jetzt vielleicht aufschreien, aber mir wäre es doch sehr recht wenn (m)eine empathische und einfühlsame Frau meine Kinder großzieht, und nicht ich. Nicht, weil ich der Mann bin. Weil ich das glaube ich nicht so gut kann, deshalb. Und die Wertschätzung der „Hausfrau und Mutter“ findet halt auch momentan kaum statt, dabei ist das ein Vollzeitjob und der müsste finanziell vom Staat bezahlt werden – immerhin möchte man ja, dass die Geburtenrate steigt, wieso gibt es also so gut wie keine Förderung für Mütter oder Väter, die sich dazu entschließen Ihre Kinder großzuziehen? Oder genug Kitaplätze? Oder kostenlose Kitas? Oder, oder, oder… Das Argument der niedrigen Geburtenrate ist also keineswegs direkt verflochten mit der Ablehnung der etablierten Parteien der gleichgeschlechtlichen Ehen, es ist nur ein Grund.

Man müsste dieses Argument irgendwie alternativ entkräften, denn: es gibt wirklich zu wenig Neugeborene in Deutschland. Hierbei zu sagen: „Nö, Ihr beiden dürft nicht heiraten, ihr habt das gleiche Geschlecht“ ist Augenwischerei, denn es gibt genug Ehepaare, die gar keine Kinder wollen oder haben oder bekommen können. Eine Lösung wäre bspw. die Erhöhung von Kitaplätzen, für Erzieher bessere Gehälter, für Daheimbleibende Elternteile finanzielle Angebote, bessere Versorgung von Eltern durch den Staat, usw.

Damit das Geld für sowas da ist könnte man ja einfach nicht noch 20 weitere Prestige-Bauprojekte starten, dann wären die paar Milliarden dafür auch da. Aber die Eliten „da oben“ scheinen daran kein Interesse zu haben, ist die Privatisierung der bereits von Steuern bezahlten Autobahnen viel lukrativer für die Hosentaschen unserer kompetenten und rein gar nicht korrupten Politiker.

Was bleibt ist eine ungerechte Situation für gleichgeschlechtliche Paare, auch wenn sie zumindest steuerlich einen Vorteil haben.

Mit diesem Eintrag wollte ich verdeutlichen, dass ich zwar sehr wohl für die gleichgeschlechtliche Ehe bin, es aber Gründe gibt, weshalb es bisher nicht so ist: man möchte potentielle Familien bevorzugen. Das ist auch richtig, weil wir eine zu niedrige Geburtenrate haben. Der müssen wir entgegenkommen. Der Weg darf aber nicht Diskriminierung heißen und daran muss gearbeitet werden.

 

Was sind eure Meinungen dazu? Schreibt mir auf Twitter oder per Mail.