Danach ist man immer schlauer

Geschrieben von kingalca am 1. Juni 2017

Danach ist man immer schlauer

Ich durchlebe gerade eine Phase in meinem Leben, in dem mir der Satz „nachher ist man immer schlauer“ ungefähr jeden Tag mehrfach ins Hirn prescht. Nicht, weil ich irgendeine atemberaubende Dummheit gemacht hätte, sondern tausend kleine Fehler, die nicht so schwer zu beheben sind.

Ausgelöst wurde diese Welle der Reflektion durch die Trennung meiner (jetzt Ex-)Freundin, die mir für einen Zeitraum von aufgerundet vier Jahren eine enge Vertraute und sehr gute Freundin war, aber halt offenbar auch nur eine Lebensabschnittsgefährtin ist, und nicht mehr. Und da ich abseits des „großen Punktes“, der gar nicht mal so viel mit mir zu tun hat, aber auch weiß, dass bei einer Trennung auch immer die Probleme des Partners damit zu tun haben und niemand (ich auch nicht) perfekt ist, versuche ich halt jetzt im Nachhinein zu erkennen, was ich falsch gemacht habe, damit ich diese Fehler in der Zukunft nicht noch mal mache; dumm wäre es, das jetzt nicht zu tun.

Und so fallen einem dann im Nachhinein so viele Kleinigkeiten auf, die man hätte anders machen sollen, die ich hätte anders machen sollen. Ich gehe da jetzt nicht ins Detail, aber die meisten hausgemachten Probleme sind schon entstanden, weil ich irgendwie nur mit 20% Hirnleistung an die Sache rangegangen bin, was sicher auch ein Motiv war. Und mir sind viele Dinge aufgefallen, die auch sehr ungerecht waren, Ihr gegenüber. Und da frage ich mich jetzt im Nachhinein natürlich: „Mensch, warum hast du dich so blöd verhalten?“

Und die Antwort darauf lässt auf sich warten, denn aus Bosheit habe ich es nicht getan. Die Zeit mit ihr empfand ich als sehr schön und der große Großteil der Erinnerungen verbleiben als positive Relikte in mir. Ich würde mich jetzt nicht über die Zeit beschweren, oder sie gar als Zeitverschwendung betrachten, eher das Gegenteil – es war eine gute Zeit. Und ich war glücklich. Und ich war verliebt. Gerade deshalb ärgere ich mich jetzt im Nachhinein über meinen Blödsinn. Aber das ist nun auch schon geschehen und nicht mehr änderbar, also hilft ewiges rumlamentieren da jetzt auch nichts, aber ich kann versuchen mich dahingehend zu entwickeln, zu verbessern und diese Fehler eben auszumerzen, auf dass der nächste Mensch in meinem Leben die nicht auch abbekommt. Irgendwie hat der Gedanke was von Fairness – und gleichzeitig, quasi parallel dazu, kommt ein innerer Selbsthass, wie ich es nur zulassen konnte, mich so dumm zu verhalten. Aber das gehört wohl unweigerlich dazu, dass man sich auch so hasst, wie einen der andere vielleicht gehasst hat, in den Momenten. Vielleicht geht es ja gar nicht anders. Ich muss deshalb auch lernen, mir selbst zu verzeihen, damit ich mir einfacher tue meine Ecken und Kanten zu akzeptieren, schließlich sind sie ein Teil von mir, ob ich will oder nicht.

Einerseits ist das mein Anspruch an mich selbst, andererseits würde ich halt auch gerne die Zeit zurückdrehen, alles anders machen und dadurch vielleicht das ein oder andere Ergebnis verhindern. Die Frage ist, ob mich das glücklich machen würde, oder ob ich wir so nicht besser dran bin sind; darauf habe ich auch keine Antwort. Vielleicht muss es so sein, damit wir beide das Leben bekommen, dass wir uns wünschen oder uns verdient haben. Lieber wäre es mir natürlich jetzt nicht alleine zu sein, aber andererseits gibt’s genug Ablenkung für mich da draußen, und vielleicht brauche ich das auch jetzt gerade. Und wer weiß, ob das nicht vielleicht genau das richtige für mich ist. Schade ist es trotzdem auf so einem Wege eine solch gute Freundin zu verlieren. Und ganz ehrlich, da bin ich lieber einsam, und hab dafür diesen Menschen in meinem Leben. Und dann passieren so Dinge bei denen ich mir denke, dass das niemals geschehen wird, weil man Freunde halt mir Respekt behandelt und nicht wie ein Stück Dreck einfach stehen lässt. Da dreht man sich dann halt im Kreis; jeder macht Fehler, aber halt eben nicht nur ich. Was ich mir für mich wünsche, wünsche ich mir auch für Sie. Das ist ein Ergebnis aus meinen Überlegungen, bzw. eine Erkenntnis. Dass ich ihr nichts schlechtes wünsche, dass ich mir nichts schlechtes wünsche. Dass ich will, dass es uns gut geht. Zusammen oder getrennt. Sie hat sich das wirklich verdient und ich auch.

Ich weiß nicht was die Zukunft bringt, aber ich wünsche mir, dass ich aus diesem Kapitel lerne und besser werde, als ich es vorher war. Auch, wenn da jetzt ein riesiges Stück in mir fehlt. Das wächst schon wieder zu. Ich sorge dafür. Ich geb’ mir Mühe, aber es ist nicht so leicht. Soll es auch gar nicht. Es darf ruhig weh tun.